DRIFTEN fehlt der Speed

... manchen Juries beim Filmfestival Max Ophüls Preis hat's gefallen

Ganz ehrlich: streckenweise ist der Film DRIFTEN stinklangweilig. Trotzdem geht mir die erzählte Geschichte nach. Zum einen, weil die beiden Hauptdarstelller schlichtweg brilliant sind, zum anderen, weil es diese Story in STOCKHOLM ÖSTRA bereits gibt: Ein Autofahrer überfährt ein Kind und beginnt danach eine Liebesbeziehung zu dessen Mutter. Im schwedischen Film wird der Unfalllenker gesetzten Alters freigesprochen, in DRIFTEN muss der junge Möchtegern-Rennfahrer ins Gefängnis. Der Film hebt bei dessen Heimkehr an und weiss nicht so recht, ob er jetzt die Geschichte der Faszination Geschwindigkeit erzählen soll (wäre gut gegangen, weil die Mutter des Unfallopfers auch Extremsportlerin ist) oder die Suche nach Fürsorge für die Frau oder um Vergebung der eigenen Schuld. Eine liebeskomödien-artige Barszene zeigte als unterhaltsamer Höhepunkt: Die Beziehung des jungen Mannes mit der älteren, reiferen Frau hätte eigentlich als Thema gereicht. “Gammelfleisch” als saublödes Geschwätz spätpubertärer Jungs in DRIFTEN brachte mir ins Bewusstsein, dass die Beziehung ältere Frau-(viel) jüngerer Mann immer noch ein Tabu zu sein scheint.

 

DER PREIS DER ÖKUMENISCHEN JURY 2015

Ausgezeichnet wird ein Film aus dem Wettbewerb, dem es mit wirklicher künstlerischer Begabung gelingt, die Zuschauer für spirituelle, menschliche oder soziale Fragen und Werte zu sensibilisieren. Der Preis von INTERFILM und SIGNIS ist mit € 2.000 dotiert und wird von der Katholischen Erwachsenenbildung Saarland – Landesarbeitsgemeinschaft e.V. sowie der Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung im Saarland e.V. (vertreten durch die Evangelische Akademie im Saarland) gemeinsam gestiftet.

Der Preis der ökumenischen Jury 2015 geht an Karim Patwa für den Film DRIFTEN.

Begründung:

Ein Geschwindigkeitsrausch endet mit dem Tod eines Kindes. Mutter und Fahrer begegnen einander. Schuld und Sühne, Verlust und Liebe, Nähe und Distanz – das zeigt der Film DRIFTEN in einem subtilen Spiel, das den Zuschauer über Gefühle und Verstand erreicht und berührt.

Die Jury-Mitglieder sind: Vesna Andonovic, Gerhard Alt, Dietmar Adler und Oliver Gross.

FILMPREIS DER SAARLÄNDISCHEN MINISTERPRÄSIDENTIN 2015

Der Filmpreis der saarländischen Ministerpräsidentin 2015 ist mit € 5.500 dotiert und wird an einen/eine Regisseur/Regisseurin vergeben, deren/dessen Film beim Festival seine deutsche Erstaufführung erfährt. Der Preis wird durch eine Verleihförderung in Höhe von € 5.500 ergänzt. Dieser Preis kann auf Empfehlung des ausgezeichneten Regisseurs/der ausgezeichneten Regisseurin der Verleihfirma des Films auf Antrag zugesprochen werden, die die Distribution des Films in Deutschland übernimmt.

Der Filmpreis der saarländischen Ministerpräsidentin 2015 geht an Karim Patwa für den Film DRIFTEN.

Begründung:

DRIFTEN ist ein fesselnder Film getragen durch das intensive Spiel der beiden Hauptdarsteller Sabine Timoteo und Max Hubacher. Ohne zu verurteilen zeigt der Regisseur uns die innere Zerrissenheit seiner Figuren und lässt uns teilhaben an Schuld und Schmerz. Eine Geschichte über jugendlichen Geschwindigkeitsrausch und dessen Folgen. Dem Regisseur gelingt eine Mixtur aus psychologischem Drama und Stilmitteln des amerikanischen Independentkinos.

 

 

FRITZ-RAFF-DREHBUCHPREIS 2015

Der Fritz-Raff-Drehbuchpreis, der zur Förderung der Arbeit von Drehbuchautorinnen/en im Nachwuchsbereich vom Saarländischen Rundfunk und dem ZDF im Rahmen des Festivals vergeben wird, ist mit € 13.000 dotiert. Der Preis wird einer Autorin/einem Autor eines bereits verfilmten Buches aus dem Wettbewerb zugesprochen.

Der Fritz-Raff-Drehbuchpreis 2015 geht an Karim Patwa und Michael Proehl für den Film DRIFTEN.

Begründung:

Wenn man über einen guten Film spricht, erinnert man sich meist an das beeindruckende Spiel der Darsteller, an ungewöhnliche Kameraperspektiven oder aber an eine genial ausgedachte Szene. Auch in diesem Film über Schuld, Sühne und Vergebung bleibt eine meisterhaft geschriebene Szene besonders im Gedächtnis haften, in der bei einem Rollenspiel Täter und Opfer die Perspektiven tauschen und dem Zuschauer ihre große Not nahe bringen. Es sind der junge Raser Robert, der ein Kind überfahren hat und nach der Verbüßung seiner Haftstrafe den Kontakt zu Alice, der Mutter des getöteten Mädchens, sucht. Erst nach und nach entdeckt diese seine wahre Identität. Eine herausragende Qualität des Drehbuchs ist zudem der bisweilen spielerische Umgang mit diesem ernsten Thema, der in einer surrealen Bar-Szene gipfelt, in der Robert und Alice davon träumen, noch mal einmal neu über ihren Lebensweg entscheiden zu können.

Die Jury-Mitglieder sind: Dr. Simone Höller, Anette Kührmeyer und Rolf-Rüdiger Hamacher.

 

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About Elisabeth Schabus (477 Articles)
I see, I like, I write ... mostly about cinema and actors, but also about politics or economy. In English, auf Deutsch, på svenska. This ORF trained news journalist (TV, radio), who has also worked in corporate publishing for international brands and written/edited tons of magazines, has become a blogger out of passion.

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